Sag mal bist du eigentlich Trans*? – Interview mit Michelle

Michelle
Oft herrscht noch eine große Unsicherheit über das Trans*-Thema. Aussagen wie "würde gerne eine Frau sein" oder "war früher ein Junge" sind schlichtweg falsch und treffen nicht zu. Schluss mit Fettnäpfchen!

Michelle ist begeisterte AVON Beauty-Beraterin und Transfrau. Wir haben die wundervolle Michelle D. zum Thema Trans* interviewt und können so gemeinsam hoffentlich zu etwas mehr Klarheit verhelfen. Schluss mit Sprachlosigkeit!

Du bezeichnest dich selbst als Transfrau. Wie definierst du diesen Begriff?

Michelle: Ich bin eine Frau, die im falschen – in meinem Fall männlichen – Körper geboren wurde.

Findest du Aussagen wie „im falschen Körper geboren“ oder „würde gerne eine Frau sein“ problematisch?

Michelle: Ersteres davon ist richtig und kann man meiner Meinung nach auch problemlos sagen. Die 2. Aussage „würde gerne eine Frau sein“ ist schlichtweg falsch.

Wie empfindest du die Aussage „war früher ein Junge/Mann“?

Michelle: Das ist nicht zutreffend. Wieso das so ist, ist eine gute Frage. Ich versuch es mal so: In den meisten Fällen fühlt es sich von klein an richtig an, wenn wir erfahren, begreifen, wir sind Mädchen bzw. Junge. Es kommt aber eben auch vor, dass das was wir sehen, sich nicht stimmig anfühlt, mit dem was wir empfinden. Das kann in früher Kindheit oder auch in der Pubertät sein, wenn wir feststellen, da ist oder passiert etwas mit unserem Körper, das nicht zu uns gehört.

Wann hast du dich geoutet und wem hast du dich als erstes anvertraut?

Michelle: Mein Outing als Transfrau begann Anfang 2017. Eine Kollegin hatte meine weibliche Ader bemerkt und in einem Gespräch darauf angesprochen. Ihr hatte ich mich dann auch als erstes anvertraut.

Welche Reaktionen hast du erlebt und wie hast du dich dabei gefühlt?

Michelle: Bis auf sehr wenige Ausnahmen nur positive Reaktionen. Ich denke, man ist immer aufgeregt, wenn man auf den eigenen Körper oder Veränderung des Körpers angesprochen wird. Aber auch wenn man selbst an sich Veränderungen feststellt. Ich komme mir heute noch vor, als wäre ich in einer 2. „Pubertät“. Und das ist irre spannend und aufregend.

Hast du überwiegend Akzeptanz erlebt oder wurdest du oft angefeindet?

Michelle: Wie gesagt, überwiegend ja. Nur auf der Arbeit gibt es eine Kollegin, die damit nicht klar kommt. Sie hat ein Problem mit meiner Transition. Darum beleidigt und diskriminiert sie mich permanent. Jetzt endlich nach langer Zeit reagiert mein Chef und ich muss nicht mehr mit dieser Kollegin zusammen arbeiten. (Anmerkung der Redaktion: Michelle ist selbstständige AVON Beauty-Beraterin und ist hauptberuflich in einem anderen Unternehmen tätig.)
Ich kann nur jedem raten, sich Hilfe zu suchen. Bei Kollegen, Vorgesetzten, im Freundeskreis und Selbsthilfegruppen. Oder auch bei Gleichstellungsbeauftragten im Rathaus oder Kreis. Niemand ist wirklich allein.

Hast du eine Geschlechtsumwandlung bereits vollzogen?

Michelle: Nein, noch nicht. Die operative Angleichung ist aber geplant. Umwandlung sagt man nicht.

Wie fühlte es sich für dich an, als aus Michael Daiber Michelle Daiber wurde?

Michelle: Wie eine Befreiung. Aus dem „Raupen“-Stadium bin ich raus, jetzt bin ich eine „Puppe“ im Kokon. Und nach der geschlechtsangleichenden Operation werde ich dann zum Schmetterling.  (lächelt)

Er/sie – was rätst du Personen, die unsicher sind wie und mit welchem Pronomen sie Trans*-Menschen ansprechen sollen?

Michelle: Einfach fragen, wie sie angesprochen werden möchten. Das ist höflich und ein Zeichen von Respekt.

Wie ist es für dich, wenn dich jemand mit dem falschen Pronomen anspricht?

Michelle: Kommt ganz drauf an, ob derjenige Bescheid weiß, oder es absichtlich tut. Das tut dann schon weh.

Gibt es für dich persönlich weitere problematische Aussagen, auf die man viel stärker achten sollte?

Michelle: Nein, zumindest nicht aktuell.

Outest du dich mittlerweile überhaupt gegenüber anderer Menschen oder wirst du gefragt „Sag mal, bist du eigentlich Trans*“? (Oder sagst du einfach nichts und wirst auch nicht darauf angesprochen?)

Michelle: Das ist total unterschiedlich. Teilweise ergeben sich so sogar lustige Begebenheiten.

Ich denke, ich bin was meine Transition betrifft, ziemlich weit fortgeschritten und werde überall als Frau wahrgenommen. Freuuuuuu!!!!!!!!!!
Darum werde ich auch höchstens noch von Freunden auf den Stand der Dinge, was OPs und meine Vornamens und Personenstand-Änderung betrifft, angesprochen.

Ende Februar war zum Beispiel das erste Mal bei einem AVON Beauty-Berater*innen-Treffen. Bei meinem Eintreffen wurde ich von meinem Sales-Leader mit Michelle begrüßt, und das wurde von allen Anwesenden auch ohne zu zögern so angenommen.

Wie offen oder eben nicht offen empfindest du die Gesellschaft in Deutschland?

Michelle: Ich finde, das ist total unterschiedlich. So lange die Politik aber nicht vernünftige Rahmenbedingungen schafft, bleibt das auch für die Gesellschaft ziemlich kompliziert. Transmenschen erhalten nicht dieselben Rechte, die zum Beispiel Intersexuellen – nach Druck der Verbände und Gerichte- gewährt wurden. Die Folge sind mehr Gewalt- und Hassverbrechen gegen Transmenschen.

Nimmst du Alltagsdiskriminierung wahr? Und wenn ja, welche sind das?

Michelle: Eindeutig ja. Zum Beispiel bekommt es das Bundesinnenministerium bis zum heutigen Tag nicht hin, das Transsexuellengesetz so zu ändern, dass auch Transleute beim jeweiligen zuständigen Standesamt Vorname und Personenstand ändern lassen zu können. Leider ist das nur vereinzelt machbar.

Herrscht deiner Meinung nach noch viel Unsicherheit über das Trans*-Thema?

Michelle: Definitiv ja. Weil auf diesem Gebiet fast keine Information und Aufklärung angeboten wird.

Kannst du unseren Leser*innen den Unterschied zwischen Trans* und dem dritten Geschlecht erklären? Woran merkt man, dass man eines der beiden ist?

Michelle: Als das „dritte“ Geschlecht werden Intersexuelle oder vielleicht besser bekannt unter dem Begriff Zwitter bezeichnet. Es ist leider immer noch so, dass Ärzte bzw. Eltern nach der Geburt entscheiden müssen, wenn es nicht eindeutig erkennbar ist (wegen entsprechender gesetzlicher Vorgaben), welchem Geschlecht das Neugeborene zugehörig sei. Was dann meistens auch noch durch medizinische Eingriffe angepasst wird.

Welchen Rat möchtest du Menschen geben, die ihre eigene sexuelle Identität anzweifeln?

Michelle: Erst mal mit Leuten des Vertrauens reden. Das kann auch jemand aus ner Selbsthilfegruppe sein. Ganz wichtig ist dann aber auch, sich nen Überweisungsschein zur Trans*- bzw. Psychotherapie zu holen. Dort wird in Gesprächen geklärt, ob man denn überhaupt transsexuell ist und wie es weitergeht.

Was wünscht du dir in der Zukunft?

Michelle: Anerkennung als Frau, immer und überall in der Gesellschaft, ohne sich erklären zu müssen. Und nen lieben Partner an meiner Seite, der mich so akzeptiert, wie ich bin. (Zwinkert)

Liebe Michelle, seit wann bist du AVON Beauty-Beraterin?

Michelle: Jetzt wieder seit Anfang 2018.

Wie bist du zu AVON gekommen?

Michelle: Ich kenne AVON schon lange. Hab das mal vor über 25 Jahren gemacht. Damals noch als Michael in Baden-Württemberg. Mittlerweile wohne ich ja schon lange in Schleswig-Holstein. Und da mich Kosmetik und Schminken schon immer begeistert hat, war es denn auch leicht als Michelle zu AVON zurückzukehren.

Was gefällt dir an AVON am meisten?

Michelle: Ich schätze ganz besonders die Vielfalt und tolle Unterstützung.

Was ist dein absolutes Lieblingsprodukt von AVON?

Michelle: Der LUXE Lippenstift in der Farbe „Designer Red“.

Du sagtest, dass du als Transfrau gerne anderen Transfrauen zeigen möchtest, wie man mit AVON Produkten besondere Problemchen in den Griff bekommt. Von welchen Problemchen spricht du hier und wie lassen sich diese lösen?

Michelle: Viele Transfrauen haben oft mehr oder weniger männliche Gesichtszüge. Diese kann man mittels Contouring aber ganz gut in den Griff bekommen. Es gehört aber viel „handwerkliches“ Geschick und Übung dazu. Ich bin selbst auch immer noch am Üben.


Diskrimierung wird bei AVON in keinster Weise geduldet

AVON ist stolzer Unterstützer der Verhaltensnormen der Vereinten Nationen für Unternehmen zur Bekämpfung der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LGBTI). Die Unterstützung für die UN-Standards für LGBTI ist eine Fortsetzung des langjährigen Engagements von AVON für sozialen Fortschritt und freie Meinungsäußerung – Grundsätze, die den Unternehmens- und Markenkern von AVON untermauern.


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